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Freitag, 06 Oktober 2017 02:51

Ein stiller Kinobesuch

geschrieben von Alanthir
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A Silent Voice - Ein Animefilm aus dem Jahr 2016, der etwa ein Jahr nach seinem Kinodebut in Japan auch seinen Weg in die deutschen Kinos gefunden hat.

Im Rahmen der Kazé Animenacht konnte der Film als special interest in vielen deutschsprachigen Kinos für einen Abend geguckt werden und glaubt mir wenn ich schreibe, dass der Besuch sich mehr als nur gelohnt hat.

 

Koe no Katachi, so der original japanische Titel (übersetzt in etwa die Form der Stimme) ist ein vielschichtiger Film, der mittels emotionalen und künstlerischen Stilmitteln das Thema der Kommunikation aufgreift

Es beginnt damit, dass wir sehen, wie der Protagonist, Shouya die Tage bis zu seinem geplanten Selbstmord verbringt. Er veräußert alles was er besitzt, reißt vom Kalender alles ab, was danach kommen würde und begibt sich an den Ort, an dem er sich umbringen möchte um es vor den eigenen Augen abzuspielen. Es folgt eine Rückblende die uns aufzeigt, was ihn zu dieser Entscheidung getrieben hat.

Es geht zurück bis in die (japanische) Grundschulzeit, nämlich die sechste Klasse. Shoja, hier noch ein sehr energiegeladener und rebellischer Junge verbringt die Zeit mit seinen zwei Freunden. Er ist mehr oder minder der "Anführer" ihrer kleinen Clique, der immer dafür sorgt, dass die anderen bei seinen Aktionen mitziehen. Sie springen von Brücken, schwänzen Nachhilfeunterricht und sind allgemein dabei sehr viel Blödsinn zu machen.

Und dann bekommen sie mitten im Schuljahr eine neue Schülerin in die Klasse - Shouko. Shouko ist taub, was sie mittels ihres Kommunikationsheftes der Klasse mitteilt, und somit auch ein gefundenes Fressen für den Raufbold Shouya.

Über kurz oder lang kommt es dazu, dass die hilfsbereiten Schüler der Klasse nach und nach keine Lust mehr haben selbst zurück zu stecken um Shouko zu helfen und Shouya wird in seinem mobbing immer mehr bestärkt. Mehr und mehr seiner Klassenkameraden lachen mit ihm und arbeiten auch durchaus aktiv dabei mit, Shouko zu mobben. Dies geht weiter, bis eines Tages der Rektor, von Shoukos Mutter zur Hilfe gerufen, nach dem Täter des Mobbings sucht.

Schnell wird vom Klassenlehrer und den anderen Shouya als der Schuldige heraus gefiltert und er wird nun von allen anderen gemieden und ebenfalls gemobbt, vor allem von seinen zwei vormals besten Freunden und dem Mädchen das heimlich in ihn verschossen ist.

Dies zieht sich durch die kompletten drei Jahre der Mittelschule hindurch bis Shouya, nun ein Oberschüler, keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht. Er hat sich abgekapselt und will seinem Leben ein Ende setzen, aber zuvor muss er noch eins hinter sich bringen, er versucht den Weg der Reue zu beschreiten indem er Shouko noch einmal begegnet und ihr ihr altes Kommunikationsheft wieder gibt.

 

Die deutsche Synchronisation ist auch sehr gelungen. Die Stimmen wurden passend gewählt, und auch wenn man an einigen Stellen merkt, dass Wörter und Sätze geändert werden mussten, so ist es dennoch alles passend und verständlich.

Das große Thema ist nicht, wie viele vermuten, das Mobbing. Dies nimmt zwar einen zentralen Aspekt in der Geschichte ein, ist aber ebenfalls nur ein Stilmittel um Formen von Kommunikation und Konsequenzen aus fehlerhafter oder falsch verstandener Kommunikation aufzuzeigen. Im gesamten Film ist immer wieder feststellbar, dass die Charaktere versuchen miteinander zu reden und dennoch einfach immer wieder aneinander vorbei sprechen ohne das sie es merken. Die künstlerische Darstellung des Ganzen ist dabei einfach fabelhaft. Mit ruhigen und wunderschön gezeichneten Bildern wird immer wieder aufgezeigt, das Kommunikation aus viel mehr als Worten besteht. Man kann diesen Film ohne Ton gucken und würde dennoch fast alles verstehen, was vor sich geht. Es wurde sehr viel Wert darauf gelegt jeder Figur eine ausdrucksstarke und passende Mimik und Gestik zu geben und selbst die Hintergründe sorgen oftmals für viel Flair der in die Szene getragen wird und spielen auch durchaus eine Rolle im Subplot.

Die Musik ist grandios. Großteils getragen durch sanfte Klavier/Pianoklänge unterstützt sie gewisse Szenen perfekt. Wenn in einer Szene zum Beispiel Shoukos Hörgerät, ihr einziges Mittel um ein paar Geräusche ihrer Umwelt wahrzunehmen, geklaut wird so setzt die ruhige Musik kurz aus um uns ein paar Störgeräusche zu präsentieren. Es ist unterschwellig aber trägt dazu bei, dass aus einem Film Kunst wird, denn hier passt einfach alles zusammen.

Es fällt mir nicht leicht darzulegen, wieso ich diesen Film so sehr genieße. Es ist eine emotionale Reise für mich, etwas was mich tief drinnen packt und nicht mehr los lässt. Schon bei einem oberflächlichem ersten angucken fallen viele Dinge auf, die der Film einfach gut macht. Seien es nur die Zeichnungen und Animationen, so muss man die Musik auf jeden Fall hervor heben. Die Geschichte, die hier erzählt wird ist ansich schon sehr dramatisch, ohne sie tiefer zu analysieren. Es geht um Reue, um das erwachsen werden, um zwischenmenschlichkeiten und um Kommunikation.

Wenn man dann etwas tiefer rein schaut, so kann man noch so viel mehr entdecken. Für jeden von uns wird es Aspekte in einen oder mehreren der Charaktere geben, in denen wir uns wieder finden können. Die Geschichte ist realistisch und gerade das macht sie emotional so packend.

Ich persönlich freue mich schon sehr auf den Blu Ray Release im März, bestellt ist der Film bereits, um ihn noch viele weitere male anzuschauen.

Gelesen 2649 mal Letzte Änderung am Freitag, 06 Oktober 2017 04:10

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